BAUTRÄGER AUFGEPASST! Oberlandesgericht Karlsruhe bejaht die Pflicht des Bauträgers zur Koordinierung von Sonderwünschen des Erwerbers

Oberlandesgericht Karlsruhe bejaht die Pflicht des Bauträgers zur Koordinierung von Sonderwünschen des Erwerbers
 

Der Bauträger hat solche Bauleistungen zu koordinieren, die der Erwerber mit Zustimmung des Bauträgers unmittelbar dem ausführenden Bauhandwerker in Auftrag gibt („selbständiger Sonderwunschvertrag“). Diese Pflicht bezieht sich insbesondere auf Verbindungs- oder Schnittstellen zwischen Grundgewerk und Sonderwunsch. Der Bauträger ist für das störungsfreie Funktionieren beider Teile im Gesamtgewerk verantwortlich. Er hat zu prüfen, ob sich der Sonderwunsch in das Gesamtkonzept der übrigen Bauleistungen (störungsfrei) einfügen lässt. Falls notwendig, hat er planerisch einzugreifen und Anweisungen zu geben. Überlässt der Bauträger die Koordinierung dem ausführenden Bauhandwerker, dann muss er sich dessen Versäumnisse zurechnen lassen (§ 278 BGB). Der Erwerber kann nach Mängelbeseitigungsarbeiten vorsorglich die Schadensersatzpflicht des Bauträgers für den Fall feststellen lassen, dass jene Arbeiten keinen vollständigen Erfolg hatten (Quelle: NJW-aktuell 24/2016, Seite 9 unter Verweis auf OLG Karlsruhe, Urt. v. 15.01.2016, Az, 19 U 133/14)    
 
JR Anmerkung:

Der Erwerb einer Immobilie vom Bauträger wird damit etwas sicherer. Denn der hat nun – was der Erwerber nur schwerlich leisten kann – dafür zu sorgen, dass die „Sonderwünsche“ des Erwerbers in das Gesamtwerk integriert werden. Die lakonische Aussage manchen Bauträgers, wer Sonderwünsche habe, der müsse sich auch selbst darum kümmern, dafür hafte der Bauträger nicht, ist glücklicherweise vom Tisch.
 
Zu den Einzelheiten wenden Sie sich bitte an Dr. Dieter Jasper.